Brütende Hitze …

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Brütende Hitze bei der spanischen Serenade

Konzert des Hochheimer Kammerorchesters mit zwei Gastsolisten/Von Georg Philipp Telemann bis Georges Bizet

Hochheimer Zeitung

10. Juli 2009

(jk) – Die Luft im Kurfürstensaal steht wie ein schwerer Vorhang im Raum, der sich, wenn überhaupt, nur träge bewegt. Das Programmheft wird zum Fächer, der ein wenig Linderung bringt. Zuhörer und Musiker schwitzen gemeinsam. Die notwendige Konzentration aufrecht zu erhalten, ist unter diesen Bedingungen anstrengend. Sowohl für Musiker als auch für Zuhörer. Doch für die Kultur ist es das wert.

„Abgesehen von der unerträglichen Schwüle war das wieder ein sehr schönes Konzert“. Solches Lob im Anschluss an die obligatorischen Zugaben hören die Mitglieder des Kammerorchesters Hochheim gerne. Den lange anhaltenden Applaus haben sich das Ensemble unter der Leitung von Katrin Ebert und die beiden Solisten Oliver Ridderbusch (Gitarre) und Gaby Herzog (Kastagnetten) mehr als verdient.

Den roten Faden während der Serenade bildet Spanien und Argentinien. Zu den einzelnen Werken erfahren die Zuhörer Wissenswertes durch Katrin Ebert, die, neben ihrem Violinspiel, auch als Moderatorin durch das Programm führt.

Was mit Menschen passiert, die der Lesesucht verfallen sind, schildert der Roman Don Quichotte. Der Protagonist hat sich dem fahrenden Rittertum verschrieben und galoppiert gegen Windmühlen. Musikalisch in einer Suite für Streicher verarbeitet hat dies Georg Philipp Telemann (1681-1767). Der war zwar niemals in Spanien, aber seine Barock-Musik zu diesem Thema klingt überzeugend mit bisweilen komischen Akzentuierungen. Auf die Idee zu kommen, sich dem Klangbild von Kastagnetten zu nähern, indem die Streicher mit der Holzseite des Bogens auf die Saite schlagen, zeugt von kreativer Raffinesse. Ansonsten sind die Stücke ganz Telemann. Die harmonischen Kreiselbewegungen mit den luftigen Melodielinien vermitteln musikalische Leichtigkeit. Gleichwohl werden auch pointiert Handlungen in Musik übersetzt. Als der zechprellende Sancho Pansa mit Hilfe eine Betttuchs von Besuchern einer Gaststätte wie ein Flummi in die Luft katapultiert wird und wieder niedersaust, intonieren die Streicher rasante aufsteigende und fallende Tonleiterläufe, die das Bild musikalisch festigen.

Mit Luigi Boccherini (1743 -1805) wird ein italienischer Komponist vorgestellt, der in seinem Quintett für Gitarre und Streicher D-Dur einige anspruchsvolle Soloparts für Violine und Cello bereithält. Erste Kostproben ihres Könnens geben dabei Oliver Ridderbusch (Gitarre) und Gaby Herzog (Kastagnetten). Der abschließende Fandango erhält durch die in den Schlusstakten intensiv eingesetzten Kastagnetten (64stel Noten) richtig Druck.

Nach der Pause interpretieren Ridderbusch und Herzog einen spanischen Klassiker, „Asturias“ von Isaac Albéniz. Albéniz wird während der spanischen Serenade der einzige iberische Komponist bleiben. Seine Musik, die wie keine andere vor ihm Spanien in Noten fasst, war stilbildend für nachfolgende Generationen. „Asturias“ ist wie die anderen Stücke seiner Spanischen Suite für Klavier komponiert. Aber jeder Ton erinnert an „das“ Instrument der Spanier, die Gitarre. Und so ist die Transkription dieses Werkes für Gitarre bekannter und häufiger gespielt als das Original.

Oliver Ridderbusch interpretiert das Stück mit seinem feinen eher zurückhaltenden Ton. „Asturias“ besteht aus wenigen geschlagenen Akkorden und einer Vielzahl malerischer Arpeggien, das Stück kommt ohne aufwändige Melodien aus. Kreativer Umgang mit den Akkordzerlegungen steht im Mittelpunkt. Gaby Herzog holt „Asturias“ (Nord-Westspanien) nach Andalusien und wandelt das Stück in Richtung Flamenco. Mit ihrem großartigen Kastagnettenspiel setzt sie einen dynamischen und perkussiven Gegenpart zu der fast ein wenig zu zurückhaltend klingenden Gitarre. Aber auch dieser Gegensatz hat seinen Reiz.

Das Kammerorchester setzt das Ensemblespiel fort mit einem Tango Nuevo „Invierno Porteña“ von Astor Piazolla (1921-1992). Das Stück ist ursprünglich für Bandoneon (Akkordeonart) geschrieben. Auch in der Orchesterbearbeitung hört man den Klangcharakter dieses Instruments durch. Virtuose Melodieläufe, meist von Katrin Ebert an der Violine gespielt, die auf einer rhythmisch betonten Begleitung gründen. Impulsive Musik mit Ecken und Kanten.

Das große Finale bleibt drei Tänzen aus Georges Bizets (1838-1875) „Carmen“ vorbehalten. Melodien, die weltbekannt sind aus einer Oper, die nicht im Adelsmilieu angesiedelt ist und in der eine Zigeunerin Protagonistin ist.

Das Kammerorchester Hochheim sucht Mitstreicher. Infos gibt es bei der Leiterin des Ensembles, Katrin Ebert, E-Mail: k-ebert@gmx.de oder Tel. (069) 95509806.

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