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Lehrerin Gaby Herzog bringt den Wiesbadenern Flamenco und Kastagnetten-Töne bei

Wiesbadener Kurier, 3. Mai 2004

Von Angelika Eder

Sie ist ein Kind der Wüste, der Atacama-Wüste, in der sie als Tochter einer Chilenin und eines Deutschen geboren wurde. In Peru aufgewachsen, legte sie dort das deutsche Abitur ab, bevor sie in Köln Querflöte studierte und schließlich in Wiesbaden als Übersetzerin in einem Unternehmen für verfahrenstechnischen Anlagenbau tätig wurde.

Auf der Suche nach einer geeigneten Freizeitbeschäftigung in der ihr fremden Stadt begann sie gleichzeitig mit Flamenco und Kastagnetten: „Und das war’s dann einfach für mich!“ So erlernte sei beides von der Pike auf, um 1993 ihre eigene Flamencoschule „Jaleo“ in Taunusstein zu gründen. Wegen des Lärms des Tanzunterrichts musste der Standort schon nach kurzer Zeit gewechselt werden: „Wenn 15 Leute stampfen, denken die Nachbarn, die Decke kommt runter.“ Seitdem nehmen Kinder, Frauen und einige wenige Männer den Unterricht bei ihr in einem Hinterhaus in der Blücherstraße 20.

Interessierten Anfängern bietet die hübsche Frau mit den unglaublich blauen Augen eine Probestunde und das oft mit nachhaltigem Erfolg: Mehrere Schüler, so berichtet die Lehrerin stolz, kommen schon seit über zehn Jahren zu ihr. Ein junges Mädchen habe das mal damit begründet, noch nie zuvor so viel Spaß beim Sport erlebt zu haben. Sie persönlich betrachte den Tanz zwar mehr als Kunst, aber die sei natürlich mit körperlicher Anstrengung verbunden. Da Flamenco im Prinzip ohne Kastagnetten getanzt wird, weil die Tänzer ihre Hände einsetzen müssen und das Klappern den Gesang stört, nutzt Herzog die zwei beweglich miteinander verbundenen Granatapfel – oder Grenadill-Holz-Schalen in erster Linie als Konzertinstrument. Auf diese Weise könne man sich dann auch eine viel schwierigere Spieltechnik erarbeiten.

„Geklappert“ wird zu spanischer Musik oder Klassik, wobei sich Mozart und die rhythmischen Werke von Bach besonders gut eigneten. Wer die Kastagnetten beherrschen will, muss fleißig üben, um die Finger zu kräftigen, sie unabhängig voneinander und außerdem auch noch möglichst flink einsetzen zu können. Zuvor gilt aber erst einmal zu lernen, wie man das dunkler klingende „Männchen“ links und das heller tönende „Weibchen“ rechts zu halten hat. Die beiden Hälften in der linken Hand seien übrigens weitaus weniger gefordert als die rechts: „Das Weibchen macht die ganze Arbeit“, ergänzt Herzog augenzwinkernd.

Gelernt wird nach einem spanischen Buch, das die Kastagnettenlehrerin selbst ins Deutsche übersetzt hat. Ein Vorteil dieses Unterrichts sei die Tatsache, dass man mit den – nur Rhythmus und keine Melodie erzeugenden – Instrumenten rasche Erfolgserlebnisse erziele. „Man hat schnell das Gefühl, Musik zu machen.“ Für Kinder sei der Unterricht gut geeignet, weil sie musikalische Begriffe lernen und Finger trainieren könnte, ohne sich um die Intonation kümmern zu müssen. Auch für Senioren sei er ideal: „Sie legen sich eine CD auf und spielen dazu.“

Diejenigen, die das Spielen der Kastagnetten von der Pike auf lernen wollen, können sogar Prüfungen ablegen: Am 1. Mai kamen eigens vier Expertinnen aus Barcelona nach Wiesbaden um Teilnehmer der bundesweiten Seminare Gaby Herzogs zu examinieren.