Den Flamenco im Herzen –

Home/Flamencoschule/Den Flamenco im Herzen –

Project Description

Ein Gesangsworkshop mit Rocio Marquez in der Wiesbadener „Jaleo“-Schule

Wiesbadener Tagblatt 03.07.2012 – WIESBADEN

Von Anja Baumgart-Pietsch

„En la fuente del Venero, de Almonaster le Real….“ Die spanische Liedzeile wandert von Mund zu Mund, die Teilnehmerinnen des Gesangs-Workshops von Rocio Marquez geben sich Mühe, sie mit ebenso viel Inbrunst und dramatischem Akzent zu singen wie die junge Spanierin. Marquez ist der neue Stern am Flamenco-Himmel, obwohl erst 26 Jahre alt. Sie konzertiert in aller Welt und gibt, wenn es ihre Zeit erlaubt, auch gerne mal einen Workshop, wie diesen in der Wiesbadener Flamencoschule von Gaby Herzog, „Jaleo“ in der Blücherstraße. Dort hat sich mittlerweile ein richtiges Zentrum für spanische Musik etabliert, man kann nicht nur tanzen lernen, sondern auch Kastagnetten-, Gitarren- oder Cajón-Spiel und nun zum ersten Mal auch Flamenco-Gesang.

„Das Erlebnis ihres Lebens“

„Im vergangenen Jahr war eine Gruppe meiner Schüler in Sevilla“, erzählt Gaby Herzog, „und einige von ihnen haben ein Konzert von Rocio Marquez besucht. Sie haben so davon geschwärmt, es sei „das Erlebnis ihres Lebens“ gewesen – da habe ich Mut gefasst und Rocio Marquez einfach mal über Facebook kontaktiert“. Herzog hatte Erfolg: Die junge Spanierin war sofort bereit, nach Wiesbaden zu reisen, um dort ein Wochenendseminar zum Flamenco-Gesang zu geben. Das Schwierigste war die Terminfindung, doch als diese Hürde genommen war, sprach sich der Workshop mit dem jungen Star der Szene schnell herum. Teilnehmerinnen nicht nur aus dem Schülerkreis von Gaby Herzog, sondern auch aus Frankfurt, aus Freiburg und München haben sich angemeldet, um die Workshops für Anfänger und Fortgeschrittene bei „Jaleo“ zu besuchen. Marquez hat gerade erst eine neue CD veröffentlicht. „Sie ist die Vertreterin einer neuen Generation des Flamencogesangs“, sagt der einzige männliche Teilnehmer des Workshops, Albert Peter, der ebenfalls in Sevilla dabei und von dem Konzert fasziniert war. „Sie singt anders, nicht so rauh und kehlig, sondern weicher und mit einem ganz eigenen Stil“. Die Sängerin ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden und stand, wie sie erzählt, schon mit neun Jahren zum ersten Mal auf der Bühne. „Dort fühle ich mich zu Hause“, sagt Rocio Marquez, die bei ihren Workshops Wert darauf legt, dass die Teilnehmer auch etwas über die Herkunft der Musik erfahren, die sie bei ihr lernen. Für die Anfänger hat sie zunächst ein Fandango-Stück ausgewählt, einen Dreivierteltakt. Später soll ein Vierviertelstück, ein Tango, gesungen werden. Die Fortgeschrittenen kommen dann bereits in den Genuss unregelmäßigerer Taktaufteilung, „Zwölfer“, wie Gaby Herzog erklärt, die den Kursteilnehmerinnen dolmetscht, was Rocio Marquez sagt. Die Sängerin packt zunächst eine Karte von Spanien aus, erklärt die Herkunft der unterschiedlichen Musik. Dann eine zweite Karte mit ihrer Heimatprovinz Huelva, wohin besonders der Fandango zurückzuführen ist.

Rocio Marquez ist sowohl ausgebildete Sängerin wie auch Musiklehrerin. Flamenco, sagt sie, ist ihr Leben. Und auch die Kursteilnehmerinnen können kaum mit Worten beschreiben, was sie so daran fasziniert, einen Workshop mit dem spanischen Star zu besuchen: „Es ist einfach ein Gefühl“, sagt Claudia Löslein, die extra aus Freiburg gekommen ist. „Ich erwarte mir Inspiration“, meint Albert Peter, der in unterschiedlichen Ensembles singt und musiziert.

Auf der Suche nach Inspiration

Der Gesangsstil ist sehr speziell und nicht einfach. Aber allein zuzusehen, wie Marquez die Zeilen von der „Quelle des Venero“ mit expressiver Gestik, mit geschlossenen Augen vorsingt, inspiriert die Teilnehmer. Gitarrist John Opheim, auch sonst bei „Jaleo“ als Begleiter der Tänzerinnen aktiv, liefert die Akkorde. Mehr ist nicht nötig: Auch bei Flamencoauftritten ist Gitarre, Gesang und das Klatschen und Stampfen der Tänzer genug. Rocio Marquez hingegen tritt meist sogar ohne Tanz auf, nur mit ihrer Stimme, die ein Ereignis für sich ist. Sie komme gerne nach Deutschland, sagt die Spanierin, die in diesem Jahr bereits einen Workshop mit Konzert in Düsseldorf gegeben hat. Und vielleicht, so hofft Gaby Herzog, auch wieder nach Wiesbaden, um das ambitionierte Angebot von „Jaleo“ mit ihrer eigenen Note zu bereichern.

Project Details

Categories: