Dialog mit Füßen und Kastagnetten

Home/Auftritt/Dialog mit Füßen und Kastagnetten

Project Description

„Eine Reise ins Westend“ führt diesmal zu Flamenco und Stepptanz bei Gaby Herzog und „Jaleo“

Wiesbadener Tagblatt, 25. September 2007

Von Andrea Springer

Überschäumende Lebensfreude oder bestürzende Leidenschaft – beides findet im Flamenco seinen Ausdruck. Nur mit Kastagnetten erfüllt Gaby Herzog den Raum mit purem Rhythmus. Gebannt verfolgt das Publikum den Clasico español oder die Rumba flamenca. Hinten im Raum klopft ein Verwegener bereits den Rhythmus mit, wie es in den spanischen Flamenco-Kneipen gang und gäbe ist.

Voller Neugier zieht es die Teilnehmer der „Reise ins Westend“, wie das Motto der diesjährigen Kulturtage im Viertel lautet, zur Flamencoschule „Jaleo“, in die Blücherstraße 20. Hier erwartet sie nicht nur die gezügelte Leidenschaft des im Süden Spaniens beheimateten Tanzes. Herzog hat auch die Tanzschule „Fiddle and Feet“ eingeladen, die leichtfüßigen Schülerinnen von Natalie Westerdale aus der Winkeler Straße 6.

Seit 14 Jahren insgesamt kann der Spanienbegeisterte hierzulande bei Gaby Herzog dem „ausdrücklichen“ Vergnügen frönen, seine Emotionen in ausgefeilte Tanzformen fließen zu lassen. Und seit zwölf Jahren lernen 120 Schülerinnen und drei Schüler im Quartier. Sie selbst hat ihre Grundausbildung in Wiesbaden genossen, ist aber immer wieder zur Fortbildung in Spanien, wie es auch Westerdale immer wieder in die grüne Heimat des Stepptanzes zieht, um sich auf dem Laufenden zu halten.

Gemeinsam haben die beiden Schulen für die Tänze mit den unterschiedlichen Temperamenten „noch viel vor“, freut sich Westerdale. Seit geraumer Weile schätzen sich die beiden Tanzlehrerinnen aus dem Rheingauviertel und dem Westend und machen gerne gemeinsame Sache – ob bei „Wiesbaden tanzt“ oder den Kulturtagen.

Mit rasanten Schrittfolgen, kleinen Sprüngen und Kombinationen, die sich fast logisch aus einander zu entwickeln scheinen, ziehen sie die Zuschauer in ihren Bann. Irland, Schottland und Amerika sind die Geburtsstätten der Stepptänze, die Westerdale ins Westend bringt und so die Vielfalt im Viertel noch multipliziert.

Von höfisch-steif im Oberkörper bis hin zu ganz „plattfüßig“, wie der Tap auf dem flachen Land in Amerika gesetzt wird – das Repertoire ist so vielfältig, wie das Bedürfnis des Tänzers, für seine Gefühle und Empfindungen ein Ventil zu finden.

Klackernd ergibt ein Schritt den nächsten, wie in freier Rede ein Wort auf das andere folgt. Kleine Arabesken, Windungen der Arme und Hände beim spanischen, zierliche Hüpfer beim irischen Tanz spiegeln Sinnlichkeit und Freude. Und wenn auch nur in der unscheinbarsten Bewegung gibt sich Selbstbewusstsein und Lebensbejahung preis. Wachte doch zu Zeiten auf dem Tanz das gestrenge Auge der Kirche. Alles aber lässt sich nicht überwachen und wie in der Politik mit den Füßen abgestimmt wird, gilt auch hier: Der Dialog gehört den Füßen.

Auf unmerkliche Weise kommt es auch zwischen den zwei Tanzstilen zu einem „Wort“-Wechsel. Sind auch die Ursprungskulturen unterschiedlich, das, was den Tänzer in Bewegung bringt, ist das, was ihn (be-)rührt.

Project Details

Categories: