Spanisches Konzert

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Kulturforum Rudersberg

„Der Büttel“ Nr. 38/2003

September 2003

Ein ganz besonderes musikalisches Erlebnis bekamen die Besucher des Spanischen Konzertes in der Gemeindehalle geboten: Ein hoch virtuoser Pianist (Dimitry Morozov), eine nicht minder versierte Kastagnettenspielerin (Gaby Herzog) und eine dynamisch wie expressiv bestens geschulte Sängerin (Anahi Scharovsky) schafften es nach kurzer Zeit, begeisternde Stimmung in die Halle zu zaubern, die am Ende des Konzertes drei Zugaben herausforderte.

Den allermeisten Besuchern erging es wohl gleichermaßen: Man fragte sich, wie kann ein unscheinbares hölzernes Rhythmusinstrument wie die Kastagnette neben dem Klavier solistische Wirkung erzielen? Die klappernden Hölzer mögen für folkloristischen Tanz wohl ganz gut sein und den rassigen Schmiss spanischer Volksmusik verstärken, doch als gleichwertiges Soloinstrument? Na ja, Neugierde mischte sich mit Skepsis.

Und dann erlebte man mit Gaby Herzog eine Virtuosin, die, kaum auf der Bühne, hoch konzentriert aus sparsamen graziösen Körperbewegungen heraus ihr Instrument fast unbemerkt zum Erklingen brachte. Für das Auge kaum zu verfolgen, spielten die Finger Kaskaden schnellster Rhythmen, ihr Spiel wurde zum Klangereignis. Überraschende Klangfarben mischten sich mit dem Klavierpart, als hörte man gar verschiedene Tonhöhen, ja Melodien, hervorgerufen durch eine besondere, sensibel abgestimmte Anschlagtechnik. Richtig spaßig wurde es, als sogar Johann Sebastian Bachs und Domenico Scarlattis Musik spanischen Schwung erhielten. Mit Sicherheit hätten die beiden darüber geschmunzelt. Freilich zeigten allerdings die Stücke bei den Zuhörern die größte Wirkung, welche orginal-spanische Musik mit dem Soloinstrument vereinte. Hier wechselten die Stimmungen wie selbstverständlich: Übermütig ausgelassen und gleich wieder melancholisch verträumt. Als die Künstlerin gegen Ende der Konzertes – diesmal ganz in Rot – doch noch das tänzerische Element auf die Bühne brachte, wurden schließlich auch die letztlich verbliebenen Erwartungen erfüllt.

Spanische Liebeslieder, freche und rasant gesungene Lieder operettenhaften Zuschnitts bot die Sängerin mit ihrer klaren und ausgesprochen vollen Stimme. Ohne Mühe entführte sie die Zuhörer aus tief traurigen seelischen Gefilden hin zu ansteckend spitzbübischen Gaunereien.

Ihre herrlich gespielte Unschuldsmiene musste man einfach sympathisch finden.

Solche Ausdrucksmittel blieben dem russischen Pianisten freilich verwehrt. Dafür schöpfte er mit seiner großartigen Technik endlich wieder mal alle Möglichkeiten unseres tollen, aber leider viel zu selten gespielten Flügels bis an seine Grenzen aus.

Alles in allem: Ein gelungener Auftakt für das Kulturforum!

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