Temperament des Tanzes

Home/Auftritt/Temperament des Tanzes

Project Description

Kastagnetten und Rhythmus: Flamenco im Kulturhaus Kreml dargeboten

Stefanie Rüggeberg

Rhein-Zeitung 3.4.2003

Zollhaus. Flamenco, heißt es, das ist Feuer, das ist Leidenschaft. Emotionsgeladene Eigenschaften und dennoch reichen sie nicht, um die Kraft des Zigeunertanzes zu beschreiben. Flamenco muss man sehen, erleben, fühlen. Die Tänzerin Gaby Herzog zeigte am Wochenende im Kreml warum.

Der Hut sitzt keck auf dem Kopf. Rockrüschen wirbeln unablässig gekonnt durch die Luft. Und während die Füße schwer und federleicht zugleich auf den Boden treten, werden die Ohren berauscht vom immer lauter dröhnenden Takt der Schritte. Wenn Gaby Herzog auf der Bühne steht und sich dem Flamenco hingibt, muss das einfach fesseln. Dass dieser temperamentvolle Tanz mit seiner äußerst komplexen Melange aus Schritt- und Armkombinationen, Klatschen, Stampfen und Grazie im Blick eigentlich harte Arbeit ist, sieht man Gaby Herzog keine Sekunde lang an.

Seit zehn Jahren hat sie eine eigene Flamenco-Schule. Für die Halb-Chilenin ein Lebenstraum. Zum Flamenco kam sie so, wie es sein sollte: Mit Liebe auf den ersten Blick. Das Querflöte-Studium hatte sich da schnell erledigt, lieber saugte Herzog in Seminaren alles Können und Wissen für ihre neu entdeckte Tanzleidenschaft auf. Mit Erfolg: In ihrer Wiesbadener Schule kann sie sich über mangelndes Interesse nicht beklagen.

Und auf der Bühne hat sie sich gleich eine besondere Marktlücke geschaffen: Kastagnetten plus Klavier. Eine Kombination, die nicht alltäglich ist und unter dem Namen „Duo Albéniz“ vor allem von der Qualität seiner Hauptakteure lebt. Pianist Wolfgang Stifter gelang es im Kreml, die Faszination der Musik von Isaac Albéniz, Manuel de Falla, Domenico Scarlatti oder auch Johann Sebastian Bach spürbar zu machen.

Gaby Herzog hatte ihren stärksten Auftritt, wenn sie die Kastagnetten klappern ließ: Verblüffend schnell und präzise bewegten sich die unscheinbaren Rhythmusinstrumente in ihren Händen. Fingerfertigkeit pur, die Herzog schon mehrere Preise bei internationalen Kastagnetten-Wettbewerben eingebracht haben.

Dazu das unerschöpfliche Temperament der Flamenco-Schritte: Wie unter Orkangewalt begann der Boden des Kulturhauses schließlich irgendwann wirklich zu beben – laut und fesselnd zugleich.

Project Details

Categories: